Von Jägern und Gejagten

Wie schon erwähnt, verteile ich Zeitung.

Ich hatte da letzte Woche einen Aufreger für mich drin: da hieß es, PETA hätte (mal wieder) beim Bundesjägertag gegen die Fuchsjagd protestiert. Mit dem Artikel war ein Bild abgedruckt, worauf ein paar Aktivisten und ein selbst geschriebenes Transparent zu sehen war, auf dem stand:

Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm. Bei Jägern ist das anders rum!

Dass ständig Hetze gegen Jäger gemacht wird, ist okay, es gibt genug schwarze Schafe, die nur des Tötens wegen einen Jagdschein machen. Aber dieser Spruch – als ob alle Jäger dumm wären.

Anscheinend denkt bei sogenannten Tierschutz-Aktivisten auch nur die Hälfte drüber nach, was da aus ihren Mündern kommt, aber selbst da bin ich mir nicht sonderlich sicher.

*.*.*

Der Jagdschein wird auch „das grüne Abitur“ genannt. Nahe Verwandte von mir haben einen Jagdschein gemacht und ich durfte selbst miterleben, wieviel ein zukünftiger Jäger erst lernen und tatsächlich auch können muss, bevor er das erste Mal zum Schießstand darf, um auf Tontauben oder Pappziele schießen zu dürfen.

Ein Jäger tötet nicht in erster Linie, er hegt und pflegt sein Revier. Er beobachtet. Er muss wissen, wieviele Tiere sich dort aufhalten (Populationsstatistik, schon mal gehört?) Er muss sehen, wenn Tiere krank sind, oder alt und vom Rudel ausgestoßen werden. Er muss anhand von Markierungen wie Fraßspuren, Fußspuren und Losungen (Kot) erkennen, welche Tiere er in seinem Revier hat. Er muss anhand von Geräuschen auseinander halten können, welche Tiere sich grade rufen. Ein Jäger muss sich auskennen in Tieranatomie, Tierkrankheiten (speziell zB. Fuchsbandwurm, Trechienen, Seuchenfraß ect.) und dazu muss er auch wissen, welche Bäume, Büsche und Sträucher er da nun vor sich hat. Ein guter Jäger kann anhand von Pfeiflauten ausmachen, wo die Beute hockt.

Das sind alles Dinge, zuzüglich zu Jagdzeiten, Brut- und Setzzeiten und Brunftzeit, Blühzeiten von Bäumen und Gräsern und dazu gehörig, welches Tier welche Pflanze als Nahrung bevorzugt, Gesetzestexten und dazu noch Waffenkunde, die ein Jäger können muss… BEVOR er zur Waffe greifen darf!

Ein Jäger schießt nicht wild um sich, er muss zielen lernen und abdrücken, wenn es Zeit ist. Er tötet nicht einfach, was ihm vor die Flinte kommt (zumindest gilt das für gute Jäger) sondern er nimmt die schwachen, kranken und alten Tiere zuerst, bevor er zu den jüngeren Tieren über geht. Ein Jäger hat den Auftrag, die Wildpopulation/den Wildbestand in seinem Revier auf einem statistisch gesunden Niveau zu halten. Das bedeutet, dass er einigen Tieren das Leben nimmt, wenn es zu viele sind. Er hat die Pflicht, sowohl Wild als auch Wald und Flur zu hegen!

Das heißt auch, er muss ausrücken, wenn ein Reh/Wildschwein überfahren wird und in den Wald läuft. Er muss hinterher und das verletzte Tier erlösen. Denn es hat kein Krankenhaus im Wald, was sich der Knochenbrüche und inneren Verletzungen annimmt. Oder ne Apotheke, wo das Tier Nachts Mittel gegen Kopfschmerzen her bekommt!!! Er muss die Tiere töten, um ihnen einen qualvollen Tod zu ersparen und einen gesunden Bestand zu haben.

Das widerrum heißt, der Jäger muss die Füchse töten. Und die netten Bambis. Und die tausend kleinen Klopfer… und wie niedlich die Tiere auch sind, zu viele Tiere schaden dem Wald! Er MUSS sie töten, das ist seine Pflicht, die er eingegangen ist, als er die Jagdeignungsprüfung abgelegt hat! Und es soll auch Jäger geben, die nicht gerne zur Waffe greifen.

Stellen wir uns vor, die Jäger aus ganz Deutschland legen für ein Jahr die Waffen nieder und schießen Nichts ab. Nicht die kleinste Maus! Und sie würden dann auch keine Revierhege machen. Was würde passieren?

Schon mal Wildschweine im Hinterhof oder im Garten gehabt? Ne? Dann schon – weil sie frech werden und ausweichen müssen, im Wald ist es nämlich zu eng. Da leben nämlich so viele Hasen und Kaninchen, die sich völlig ramdösig vermehren- Ist ja keiner da, der sie kurz hält, ausser dem Fuchs. Ne, der Fuchs geht auch zu den Menschen, ist ja kein Zaun da oder Ähnliche Hindernisse, vom Jäger aufgestellt. Da kommt man leichter ans Futter. Und die Hühnerställe erst, hach, schön. Und im Wald, da stehen ja überall Rehe rum, rennen auf die Strasse, (wir erinnern uns, keine Wildzäune bzw. kaputt getreten!) werden tot gefahren und die, die nicht zu Hauptverkehrszeiten unterwegs sind, die fressen den Bäumen die Rinde weg, dass die Bäume sterben. Wieso auch nicht, ohne Bäume gehts doch aus. Da sitzen dann eben die Greifvögel auf den Zäunen in der Nachbarschaft und machen Jagd auf Miezi und Murrle, die haben grade Junge bekommen. Lecker, Katzenbraten! Waschbären stöbern bald nicht mehr in den Wiesen und Teichen nach Fressbarem, nö, die haben wir auch dann schnell im Sommer Abends auf der Terasse oder im Keller hocken. Waschbären sind übrigens bissig, genauso wie Marder. Die stöbern dann unsere Dachböden und Autos nach Gummi durch, weil sie das so gerne mögen. Lieber als Mäuse übrigens, wenn sie es denn bekommen können.

Dann sind da die ganzen Sonntagsspaziergänger, die gerne durch den Wald gehen und die gute Luft genießen. Die müssen sehr aufpassen – wenn so ein Fuchs oder Waschbär Tollwut hat, die sich ja nun ohne Kontrolle vermehren kann, wird er nicht vor Menschen Halt machen. Die Biester fallen Menschen an, einfach so. Gut, die Seuche lässt sich behandeln, aber muss ja nicht sein. Und wer dann noch einen Hasen- oder Rehbraten auf dem Tisch haben möchte, bekommt natürlich nur extrem teueren Auslandsimport und der schmeckt nicht mal.

 

Ich will so ein Szenario nicht erleben müssen. Nicht alle Jäger töten aus purer Mordlust. Der normale Jäger zahlt erstmal viel Geld für seinen Jagdschein und darf erst recht spät an die Waffe, ein eigenes Jagdrevier hat auch nicht gleich Jeder. Der Jagdschein ist eine Verantwortung, die man vom Land übertragen bekommt, damit genau so ein Szenario wie oben beschrieben NICHT passiert.

Liebe Tierschützer, denkt zweimal nach, bevor ihr einmal ein Urteil fällt.

 

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