Von Papier und Unzufriedenheit

Ich verteile in dem Ort, wo wir wohnen, den Sonntags-Tipp. Das ist ein kostenloses Werbe- bzw. Anzeigenblatt, was jeden Sonntag (auch Feiertags) in jeden Haushalt kommt, kleine Berichte zum Tagesgeschehen, Kontaktanzeigen, Suche/Biete/Tausche-Anzeigen und jede Menge aktuelle Werbung enthält. Auch, wenn in einem Haushalt kein Abo der regionalen Tageszeitung gebucht ist, der Sonntags-Tipp kommt trotzdem. Ein Geschenk des Verlages an JEDEN Haushalt im Landkreis. Ausser, es ist ausdrücklich verboten, was dann entweder beim Verlag gemeldet wird, oder durch kleine, aber auffällige Aufkleber am Briefkasten kund getan wird.

Ich verteile also jeden verf***ten Sonntag diese Zeitung, monatlich springen etwa 100 Euronen dabei rum. Dafür habe ich viel Lauferei, mein Knie wird immer schlimmer und ich kann nichtmal bis wenigstens halb 8 morgens schlafen. Und darf mich für lausige 100 Kröten den Monat von allerlei Leuten anpampen lassen, warum die Zeitung denn so spät käme (gegen halb 9 Uhr morgens finde ich doch zeitig genug, ich muss bis um halb zwölf meine letzte Zeitung ausgeliefert haben!) Und warum die denn schon wieder so nass wäre (es regnet!) und warum ich denn letzte Woche nicht da war und warum ich so unzuverlässig wäre undundund…

Liebe Leute, die Ihr jeden Sonntag eure KOSTENLOSE Zeitung auf dem Tisch habt: Erstens ist ihr baldiges Altpapier ein GESCHENK des Verlags, Zweitens: nein, sie haben keinen Anspruch auf eine Lieferung um 5 Uhr früh, diese Zeitung hat mit dem Lokalblatt nichts zu tun. Es ist der gleiche Verlag, aber diese Zeitung erhalten auch Nicht-Abonenten. Ich bekomme 15 Cent pro Zeitung, ich stehe am heiligen Sonntag ziemlich früh auf, verzichte auf den einzigen Tag in der Woche, an dem ich gemeinsam mit Mann und Kindern am Frühstückstisch hocken könnte, damit ich meinen Jungs auch mal ein Eis oder eine Kinderzeitschrift ausser der Reihe kaufen kann. Ich verzichte auf längeren Schlaf, auf Kuscheln mit dem Gatten, wach-auf-Küsse vom großen Kind und Mama-Gebrabbel vom Kleinen, damit Sie, verehrte Leserschaft, eine f*cking KOSTENLOSE Zeitung auf dem Tisch haben.

Ich war letzte Woche nicht da, weil meine Kinder mit hohem Fieber im Bett lagen. Ich bin später dran, weil mein Jüngster geweint hat, als Mama los wollte und ich ihn trösten musste, ich hinke, weil ich etwa zehn Kilo Papier auf meinem linken Arm balanciere und mit rechts ihren überaus schweren Köter vom Hals halten muss (die Leckerlis befinden sich immer links in der Tasche!!!)

Wenn ihr eine kostenlose Zeitung bekommt und den Zusteller mal trefft, fragt ihn, obs ihm gut geht, lächelt, dankt ihm. Er/Sie hat bestimmt auch Familie, die ihn/sie lieber zuhause hätte, als Papier schleppend unterwegs zu wissen. Die Bezahlung ist mies, das Wetter nimmt darauf keine Rücksicht und eine freundliche Begegnung trötet unheimlich über zahllose Unfreundliche hinweg 😉

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