Wut

Ich bin wütend. Mehr als das – ich könnte mich grade schälen, ohne Schmerz zu empfinden, so hoch ist mein derzeitiger Adrenalinspiegel!

Der Kern der Geschichte ansich ist kurz erzählt – ich wurde für mein Verhalten kritisiert, was meine Erziehung betrifft. Man lies mich weder ausreden, noch überhaupt zu Worte kommen. Und ich wurde damit, für mein Empfinden, als minderwertig hingestellt, als Mensch, der nicht richtig tickt!

Ergo bin ich wütend. Sauwütend! Unfassbar wütend!!! Und traurig, denn diese Worte, die mir heute Morgen an den Kopf geworfen wurden, tun auch weh!

Von vorne: K1 ist ein Rabauke. Ein großartiger Bruder, ein charmantes Bürschchen, ein Frechdachs… ein normales, 5jähriges Kind. Zumindest nach aussen. Zuhause steppt der Bär – da wird beim Einkaufen gerne mal so lange am Einkaufswagen gerüttelt (in dem der kleine Bruder sitzt), bis der Wagen fast umkippt. Muddi bekommt fast einen Herzinfarkt! Dann wird, trotz vormaliger Ansage, beim Wagen zu bleiben, durch die Gänge gerannt, alles aus den Regalen gezogen und gebrüllt, weil Muddi nicht die Bonbons einpackt. Muddi bekommt Wut und zischt schon, kurz vorm Explodieren. „Jetzt bleib am Wagen, verflixt, benimm dich nicht wie ein wilder Affe, wenn wir Zuhause sind, reden wir nochmal über die Bonbons!“ Man will schließlich irgendwann auch nach Hause, doch diese, ich nenne es mal „Ausfälle“, kosten nicht nur Nerven, sondern auch Zeit.

Das war nur das Beispiel Einkaufen. Zuhause wird nach Bitte nicht aufgeräumt. Auch nach Aufforderung nicht. Nach Mahnung mit Donnerwetter wird Muddi scheel angeschaut, die Schultern werden gezuckt und K1 spielt weiter – räumt auch noch 2 weitere Kisten dafür aus. Das Donnerwetter folgt, ich bin fast heiser, meine Halsschlagader platzt fast und endlich wird aufgeräumt. Zumindest so halb.

„Das ist mir zuviel, ich mag jetzt nicht mehr!“ „Wers unordentlich gemacht hat, machts auch wieder ordentlich, sonst mache ICH Ordnung und ob dein Spielzeug dann noch da ist…!“ „Neiiiiiin!“ *flitzt ins Zimmer und räumt auf*!!!

Täglicher Wahnsinn – für Einige völlig harmlos, weil, ist ja ein Kind. Ne, für mich die Todesfalle, K2 ist noch in einem Alter, in dem er Alles in den Mund nimmt und auch mal runterschluckt – da kann man noch so gut ein Auge drauf haben! Und K1 spielt nun ausgerechnet da mit sehr viel Plienskram (verschluckbare Kleinteile, für Kinder unter 3 Jahren nicht geeignet!), wo der Lütsche auch mal gerne rumtobt. Im Wohnzimmer nämlich. Und Mama und Papa wollen nach dem Abendessen auch nicht auf Lego treten – wem es schonmal barfuß passiert ist, weiß auch, warum! 😉

Also gilt die Regel: vorm Abendessen wird aufgeräumt, denn nach dem Essen gibts Zähneputzen, Hände waschen, ab ins Bett! Zähneputzen wird ignoriert, weil K1 bester Freund S. ja auch nicht putzt! o.O??? Glaube ich eher nicht, die Mama ist im zahnmedizinischen Bereich tätig, also wird sie da noch eher drauf Acht geben!

Das sind alles Beispiele, was so im Durchschnitt läuft. Für Jeden ist das harmlos – nicht aber für mich, die ja auch die Kleinigkeiten mitbekommt. Und auch die Dinge, die im Kindergarten passieren. Oder beim Spielen draussen. Und vor Allem, wenn das Kind nach Hause kommt und mit Schimpfworten jenseits von Gut und Böse um sich schmeißt. Oder mit Erkenntnissen, die völlig daneben sind. Von S. gelernt. Ein paar Beispiele? Gerne…:

„Du bist ne Frau und hast nix zu sagen!“

„Ich bin der Chef hier, du hast gefälligst Essen zu kochen und die Wohnung zu putzen!“

„Dir gehört der Hintern voll gehauen!“ (ich habe mal beim Besuch von S. bei uns die Keksdose zugemacht, nachdem die Hälfte der Keksdose schon von S. vernichtet wurde, danach kam der Spruch von Selbigem!)

„Nur blöde Leute ziehen nach *Ortwowirjetztwohnen*“

„Auf Erwachsene muss man nicht hören!“ (Zuvor gab es Gummitiere, die Kinder griffen auch zu, nach der dritten Handvoll schloss mein Mann allerdings die Tüte und verräumte sie im Süßkramkorb, an den K1 nie ohne zu fragen ran gehen würde. Als der Rabe dann zu K2 ins Zimmer ging, hörte er von S. den Spruch – am Abend bemerkten wir, dass die Tüte leer war.)

„Du blöde F**ze, lass mich los, ich muss nicht auf dich hören, du H*re!“ (im Beisein von mir und K’s Oma von S. zur Mutter, nachdem Mama gesagt hat, es wäre bald Zeit zu gehen! Nach der Ansage wurde Mama mit Fäusten gehauen – Mamas Reaktion bestand aus einem empöhrten Nach-Luft-schnappen-wie-ein-Fisch-an-Land und einem „Wir gehen gleich, wenn du dich nicht benimmst!“ – sie sind geblieben!!!)

Wenn S. was sagt, stimmt das. Bedingungslos. Und muss dann auch so stehen bleiben. Egal, ob Mama und Papa oder Oma und Onkel was Anderes sagen. Wenn S. sagt, der Himmel ist grün, dann ist das so. Weil S. Recht hat. Wir Alle kennen das garantiert von früher, wir hatten bestimmt Alle so einen Freund oder Freundin, die Recht hatte, egal, was den wirklichen Tatsachen entsprach. Ich kann mich daran erinnern, so eine Freundin gehabt zu haben. Sie hätte nur sagen müssen: Spring! Ich hätte gefragt, wie oft. Dummerweise hat mich diese Freundin zum Klauen animiert. Ich wurde erwischt und seit dem habe ich diese „Freundin“ gemieden. (Ist inzwischen wegen Diebstahl und Drogenbesitz vorbestraft, die Gute!)

Jedes Kind sollte spielen und Freu(n)de haben. Kontakt nach Aussen hin ist wichtig. Für mich als ehemalig sozialen Menschen war es das auch. (Inzwischen möchte ich am liebsten die halbe Menschheit erschießen und die andere Hälfte auf die frei gewordenen Länder verteilen – ich bin persönlich sozial selten kompatibel, dafür denke ich nicht Mainstram genug!)

Als liebende Eltern sahen wir uns nun gezwungen, irgendwo einzuhaken, um dem, nach unserer Meinung, schlechten Umgang irgendwie entgegen zu wirken. Das Ignorieren aller Ansagen von unsererseits, oder dem Onkel/der Oma/der Tante/ect. hat dazu geführt, dass ich an meiner Erziehung zweifelte und mich natürlich bei den Erziehern schlau gemacht habe. Ne, im Kindergarten ist Alles prima, könnte ne Phase sein, kriegen die aber nichts von mit, weil Alles normal ist. Aber sie beobachten das.

Nach weiterer, eingehender Beratung mit den Leuten aus dem näheren Umfeld und deren Sichtweisen, blieb am Ende nur ein Ergebnis stehen: Unabhängig voneinander hatten alle 5 befragten Delinquenten eine Kernaussage getroffen: S. ist ein schlechter Umgang, zu dominant, man sollte den Kontakt einschränken bzw. verbieten.

Das haben wir tatsächlich getan – vor über 4 Wochen habe ich ein Nachmittagsspielverbot der Mutter gegenüber ausgesprochen und den Shitstorm meines Lebens an mir selber erlebt! Wie könnte ich nur, ich würde mein Kind damit psychisch kaputt machen, ich nehme ihm den einzigen Freund, ich müsse mal meine Erziehung ändern (weil mein Kind sowas niiiiiie und nimmer nicht machen würde! O-Ton S-Mama) und ich spinne doch, das wäre Quälerei, ich sollte doch mal vom Jugendamt überprüft werden. Es waren plötzlich 5 Eltern gegen mich – wobei eine Mutter eine ehem. ist, die ihr Kind nur morgens zum Hort gebracht hatte, da Ferien.

Es wuchs irgendwie etwas Gras über die Sache, nachdem ich S. Mama mal in einer ruhigeren Minute zu verstehen gegeben habe, dass ich den Kontakt im Kindergarten nicht verhindern kann, aber das Spielen derzeit noch nicht möglich ist.

Heute morgen sprach S. Vater mich an, wann die Kinder denn endlich mal wieder zusammen spielen dürfen. Und ob ich denn jetzt endlich einsehen würde, dass es sich um Rabauken handelt, die eben rabaukig sein müssen und Flausen im Kopf hätten. Nachdem sich eine weitere Mutter eingemischt hat (Das ist so schlimm, der Kleine leidet ja darunter, ich bräuchte bald einen Psychologen für mein Kind, ich rede ihm ein, er wäre ein AK, würde er sich weiterhin so daneben benehmen… blahhhh!) und ich nicht einmal einen Satz beenden durfte UND noch angegriffen wurde (Das ist völliger Schwachsinn, was du da machst!), ist mir der Kragen geplatzt!

Nein, liebe Leute, es ist KEIN Schwachsinn – denn es ist mein Kind. Ich muss damit 24 Stunden zusammen leben, ich muss sehen, dass er grade läuft. Ich darf mir den Unfug anhören, den der Kleine nach Hause bringt und von dem ihn nicht mal der bebilderte Beweis abbringen kann. Ich habe hier ein aufmüpfiges Kerlchen sitzen, welches mich beleidigt und versucht, zu hauen, weil S. das mit seiner Mama auch darf. ICH BIN DER CHEF MEINER FAMILIE UND MUSS ZUM WOHLE ALLER FAMILIENMITGLIEDER HANDELN!!!

Und wenn das für euch bedeutet, kleingeistig, die ihr seid, dass mein Kind ein Roboter werden soll, dann bitte. Legt es euch so zurecht, wie ihr es verstehen wollt. Versteht nur die Hälfte von dem, worum es mir geht und die Hälfte auch noch völlig verkehrt. Ich will kein AK haben, was mit Wut und Zorn überall durch kommt. Ich will mich nicht um einen kleinen Menschen kümmern, der intolerant ist, was andere Meinungen betrifft. Ich will hier kein Kind sitzen haben, was den Unterschied zwischen dein und mein nicht kennt, weil es eh Alles bekommt. Ich habe kein Einzelkind, was erstmal mit seinen 5 Jahren das neueste Mariokart nebst Konsole geschenkt bekommt, weil es nicht mit dem besten Kumpel spielen darf und deswegen Mama und Papa voll nölt.

Nachdem ich das Verbot ausgesprochen habe und zudem ein Benimm-Watteball-Glas (für gutes Benehmen gibts einen Watteball, für sehr Schlechtes kommt einer weg und bei einem mitteligen Tag bleibts so, wie es ist! Für 5 Wattebälle gibts dieses oder jenes Spielzeug zurück, was vorher nach und nach einkassiert wurde!) eingeführt habe, hat K1 plötzlich wieder Benehmen. Die Flausen werden weniger, es hilft. Mir und dem Kind. Und so lange ich das Gefühl habe, ich helfe meinem Kind damit, so lange ziehe ich dieses Programm auch weiterhin durch.

Ich bin wütend! Weil ich Grenzen gesetzt habe, die Andere versuchen, vehement einzurennen. Weil Andere versuchen, mich zu brechen. Nur, um selber wieder ihre Ruhe zu haben!

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Ein Gedanke zu “Wut

  1. Ich stehe voll hinter Deiner Meinung, Gaia. Du hast alles richtig gemacht! Du bist die Mutter und verantwortlich für dein Kind. Ich hätte nicht anders gehandelt. Kindern müssen Grenzen gesetzt werden, wer soll es sonst für sie tun? Grenzen fangen da an, wo ein anderer verletzt werden, und das war der Fall. Und so lange Kinder keine Konsequenzen für ihr Handeln erleben, können sie nicht wissen, ob etwas richtig oder falsch ist. Vor allem würde ich mal die Eltern von Kind S. Fragen, woher er die Kraftausdrücke und Lebensweisheiten hat. Von irgendwoher muss er das ja haben. Ich tippe mal auf das Elternhaus.

    Liebe Grüße
    Buffy

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