Hilfe, es wird ein Spaßvogel

Muddi hat so langsam arg den Schnabel gestrichen voll! Und der kleine Spaßvogel scheint sich da nicht die Bohne drum zu scheren, denn er veräppelte mich gestern das zweite Mal, dieses Mal sogar noch ein bisschen mehr!

Kann man sein Kind eigentlich mit Süßkramentzug bestrafen, noch bevor es das Zeug überhaupt kennt? Ne, ich fürchte, derzeit ist das eher meine Bestrafung. Gnahgnahgnah!!!

 

Beim ersten Mal waren es Wehen, regelmäßiger Abstand von 10 Minuten, Tendenz „schön gleichmäßig, geht gut vorran“ vor etwas über 14 Tagen. Wir also mit wehenden Fahnen ins Krankenhaus und da passierte das, was mich an einen schlechten Scherz glauben ließ – ich lag auf der Liege, Herztöne schön, Wehen… ja, wo sind die denn auf Einmal hin? Wehen weg! Muttermund tief oben, noch hart, komplett zu – nix mit „Küken kommt“!

Naja, gut, irren ist menschlich, passiert, alles noch gut, sind ja auch noch fast drei Wochen bis zum errechneten Termin!

Allerdings bin ich seit dem Tag von regelmäßiger Wehentätigkeit umgeben und bis auf die letzten drei Tage nix, wo man sagen könnte: „Wir sollten denn langsam mal!“ Nene, da kommen so 5 oder 6 Wehen angeflogen, ziehen da so rum, schubsen den Zwerg etwas zur einen oder anderen Seite und denn hauen die wieder ab, als wäre nichts gewesen.

Habe ich insofern was gegen, als das ich inzwischen das Gefühl habe, mein kompletter Becken-/LWS-/Unterbauchbereich bricht auseinander. Klar, da drücken knappe 5 Kilo Gewicht drauf und so ein Babykopf ist ein guter Lastenträger. Autschn! Für mich bedeutet das jetzt seit ein paar Tagen ganz konkret, ich kann nicht mehr vernünftig schlafen, immer so ne Stunde, bevor ich hoch muss, um die Toilette aufzusuchen. Dabei bewege ich mich wie eine alte, von Zeit und harter Arbeit gebeutelte Frau, geschätze 95 Jahre. Inzwischen ist die Beckenbodenmuskulatur soweit belastet, dass ich jetzt auch so langsam weiß, wo meine Spagatgrenze ist. Bei etwa Beine-im-Stehen knappe 50cm auseinander 🙂

Also runderhum tut mir mein unteres Gestell inzwischen arg weh, ich bin wehleidig, grätzig und völlig auf, nervlich gesehen. Körperlich sowieso. Meine Achatschnecken sind schneller unterwegs als ich und ich finde meine Füße inzwischen sehr abstoßend – den Wassereinlagerungen sei Dank!

Aber ich denke ja positiv – jede Wehe bringt mich näher an den Nachwuchs. Und so dachte ich auch gestern.

Wehenstärke gefühlte 6 von 10, sonst eher so 3 auf einer Skala von 0 bis 10 (10 = ich sterbe vor Schmerz!) 

Zeitlicher Abstand regelmäßig bei 7-5 Minuten, Zwerg liegt ruhig, ab und an merke ich mal seinen Unmut über den Platzmangel, er versucht, sich wie ein Expander zu strecken, wenn grade Ruhe ist.

Nach 2 Stunden starkem Rumgewehe rufe ich also den RTW und lasse mich ins gewählte KKH bringen. Die Sanis waren ganz nette Jungs, muss man mal anmerken. Danke Jungs!!! Und dann ab an den CTG-Schreiber. Kind ist inzwischen aufgewühlt und völlig munter, die Wehen sind gar nicht mehr so regelmäßig und in kurzen Abständen, aber wenn sie kommen, sind sie kräftig. Sieht das CTG anders… wtf???! Kleine, minimalistische Hügelchen – hätte auch Hobbingen sein können, was da grade gezeichnet wird. Gut, immerhin ist der Kleine okay. Der strampelt da rum, fühlt sich wohl, ich mich auch soweit. Der Kreisssaal ist hübsch, die Badewanne hats mir angetan, da will ich rein. Bin ja noch guter Hoffnung, irgendwie habe ich auch das Gefühl, ich laufe aus (Fruchtwasser!!!) aber dann, nach fast einer Stunde CTG werde ich quasi vor die Tür des Kreisssaals gesetzt. Die Wehen sind nicht regelmäßig, nicht stark genug und der Muttermundsbefund ist dieses Mal zwar etwas anders, aber er liegt noch zu tief innen und überhaupt… ja, äh, wie jetzt? Wir sollen auf die Ärztin warten, die kommt gleich und möchte den Spaßvogel nochmal im Schall sehen. Wir haben es inzwischen halb elf am Abend. Und der beste Gatte von Allen und ich sind hundemüde, völlig k.o. und denken schonmal, wie wir denn wieder nach Hause kommen, denn unser persönliches Taxi arbeitet grade und der Notfahrer dürfte schon schlafen. Mist – wir haben ja nicht mit „ihr geht wieder“ gerechnet, sondern eher mit „Baby kommt jetzt“! Uns fällt nichts Gescheites ein, wir sind down, grätzig, ich bin so fertig und vergieße ein paar Tränen und die Ärztin lässt lange auf sich warten. Nach einer Stunde, in der ich gefühlte tausend Kilometer in den Stationsflur getreten habe, mein Becken nach liegen brüllt und mein Krieslauf sich zweimal fast verabschiedet hat, kommt dann endlich die Ärztin. Das Ergebnis ist für mich ein Aufreger – es sind nur noch 2 Tage bis ET, ich dürfte heute Nacht da bleiben, mein Mann allerdings nicht und keine Einleitung, kein Nichts. Ich weine, ich flehe, ich wüte, die Ärztin kann nichts dafür und ich entschuldige mich – tränenreich. 

Nein, ohne meinen Mann will ich nicht bleiben, der hat mich noch keine Nacht alleine gelassen, wenns nicht sein musste und das muss jetzt nicht sein. Ja, aber immernoch das Problem, wie wir nach Hause kommen. Die Ärztin ist ratlos, die Krankenkasse zahlt das anscheinend nicht. Gut, wir überlegen gleich weiter, erstmal weg hier, halt, wie war das jetzt mit Montag?!

Ja, wie, sie haben doch nen Termin bekommen! meint die Ärztin zu mir und ich darauf, ne, die Oberste hat gemeint, ich soll herkommen, Montag, wegen der Gestose darf ich nicht übertragen, aber herkommen, Montag – das ist so ne Zeitangabe zwischen Wand und Tapete. Ja, sie schaut mal, wann denn ein Termin frei ist.

Und wieder warten wir, es ist inzwischen viertel vor eins, allerdings bekomme ich jetzt mal ne klare Ansage bezüglich der Geburtseinleitung. Um halb 10 Morgens soll ich da auf der Matte stehen – und so ne Einleitung, ja, die könnte ja bis zu 7 oder 8 Tagen dauern, blah! Moah, mir reißt jetzt gleich der Geduldsfaden – ich habe ständig Wehen, ich bezweifle, dass deren Wehenmittel mich nicht innert recht kurzer Zeit zum Ergebnis bringen. Ich will töten… oder wahlweise in ein Mettbrötchen beißen. Darf ich Beides nicht *grummel*!!!

Und endlich fertig da… raus, bloß raus. Eben am Automaten ein bisschen Geld holen und die Jungs am Empfang bestellen uns ein Taxi.

Sehr netter, älterer Fahrer, der sich von uns nach Hause lotsen lässt. Noch Mama anrufen, Bescheid sagen, dass es Fehlalarm war – und der Rudelsamtpfote ne SMS schicken, die macht sich auch Gedanken! Es ist halb zwei, als der beste Rabe der Welt, der tollste Schnubbelhund und ich uns ins Bett hauen. 

Schlafen… nur noch schlafen…!

 

Nur Einer fand dieses Erlebnis so aufregend, dass er nicht schlafen kann – mein kleiner Spaßvogel, der rumpelt nämlich noch rum und stört sich nicht daran, dass Mama schon längst in ihre heimeligen, von Babybildern vollgestopften Traumwelten abdriftet!!!